Laborwerte Kategorie

Blutfette

Blutfette werden am besten als Profil bewertet. LDL, HDL und Triglyceride liefern zusammen mit Stoffwechselparametern eine deutlich bessere Risikoeinordnung.

Warum diese Werte zusammen wichtig sind

Einzelne Lipidwerte können irreführend sein. Das Verhältnis der Werte untereinander ist für die Beurteilung oft wichtiger als ein einzelner Punktwert.

Was das Lipidprofil misst und wie es angegeben wird

Cholesterin und Triglyzeride sind wasserunlöslich und werden im Blut in Eiweißhüllen, den Lipoproteinen, transportiert. LDL-Cholesterin gilt als der wichtigste veränderbare Blutfettwert für Gefäßverkalkung. HDL-Cholesterin transportiert Cholesterin zurück zur Leber. Triglyzeride sind vor allem ein Energiespeicher und steigen nach fetten und kohlenhydratreichen Mahlzeiten sowie durch Alkohol an.

Das Gesamtcholesterin allein ist wenig aussagekräftig, weil es LDL und HDL zusammenfasst. Non-HDL-Cholesterin (Gesamtcholesterin minus HDL) erfasst alle Lipoproteine, die zur Gefäßverkalkung beitragen können, und ist besonders bei erhöhten Triglyzeriden nützlich. Apolipoprotein B zählt diese Partikel direkt. Lipoprotein(a) ist überwiegend erblich festgelegt und ändert sich im Laufe des Lebens kaum.

In Österreich und Deutschland werden Blutfette meist in mg/dl angegeben, in der Schweiz in mmol/l. Für Cholesterinwerte teilt man den mg/dl-Wert durch etwa 38,7, für Triglyzeride durch etwa 88,5. 150 mg/dl Triglyzeride entsprechen also rund 1,7 mmol/l.

Wird eine Behandlung begonnen oder angepasst, empfehlen die europäischen Leitlinien eine Kontrolle nach etwa acht Wochen, bis der Zielwert erreicht ist. Danach reichen bei stabiler Lage meist jährliche Messungen. Weil die Werte von Messung zu Messung um einige Prozent schwanken, sollten Entscheidungen nicht auf einem einzelnen knapp auffälligen Wert beruhen.

Typische Konstellationen

Welcher LDL-Wert angestrebt wird, hängt vom persönlichen Gesamtrisiko ab. Die europäischen Leitlinien (ESC/EAS 2019) nennen Zielwerte von unter 116 mg/dl bei niedrigem Risiko bis unter 55 mg/dl bei sehr hohem Risiko, etwa nach einem Herzinfarkt. Derselbe LDL-Wert kann daher für eine Person unauffällig und für eine andere zu hoch sein.

Ein LDL-Cholesterin ab etwa 190 mg/dl (4,9 mmol/l) ohne erkennbare Ursache lässt an eine familiäre Hypercholesterinämie denken, besonders wenn nahe Verwandte früh einen Herzinfarkt hatten. Hohe Triglyzeride mit niedrigem HDL passen häufig zu Insulinresistenz, Übergewicht oder Diabetes. Ein erhöhtes Lp(a) steigert das Risiko unabhängig von den übrigen Werten; die Leitlinien empfehlen, es mindestens einmal im Leben zu bestimmen.

Erhöhte Blutfette können auch Folge einer anderen Erkrankung sein. Eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Nierenerkrankung mit Eiweißverlust, ein Gallestau oder Medikamente wie Kortison verändern das Lipidprofil. Diese Ursachen werden vor einer Behandlung meist ausgeschlossen.

Vor der Blutabnahme

Nach einer gemeinsamen Empfehlung der European Atherosclerosis Society und der europäischen Laborfachgesellschaft muss das Lipidprofil nicht routinemäßig nüchtern bestimmt werden. Cholesterinwerte ändern sich nach einer normalen Mahlzeit nur wenig, die Triglyzeride steigen etwas an. Sind die Triglyzeride nicht nüchtern sehr hoch (über 440 mg/dl, 5 mmol/l), wird eine Nüchternmessung empfohlen. Vermeiden Sie am Vortag größere Mengen Alkohol und sehr fettreiche Mahlzeiten. Ein akuter Infekt oder ein frischer Herzinfarkt können die Werte vorübergehend verändern.

In der Schwangerschaft steigen Cholesterin und Triglyzeride physiologisch deutlich an. Für eine Risikoeinschätzung sind Werte aus dieser Zeit und aus den ersten Monaten nach der Geburt daher wenig geeignet. Gemessen wird am besten in einer stabilen gesundheitlichen Phase.

Wann ärztliche Abklärung dringlich ist

Blutfette verursachen selbst keine Beschwerden, dringlich ist die Lage daher selten. Eine Ausnahme sind sehr hohe Triglyzeride über etwa 880 mg/dl (10 mmol/l), weil sie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen können. Bei starken Oberbauchschmerzen ist dann rasch ärztliche Hilfe nötig. Sehr hohe LDL-Werte, besonders bei jungen Menschen oder familiärer Belastung, sollten zeitnah besprochen werden.

Typische Muster in diesem Bereich

  • Hohes LDL bei gleichzeitig erhöhten Triglyceriden gilt als ungünstige Konstellation.
  • Niedriges HDL zusammen mit hohen Triglyceriden passt häufig zu einer metabolischen Belastung.

Häufige Kombinationen

  • LDL + HDL + Triglyceride
  • Lipidprofil + Glukose
  • Lipidprofil + HbA1c

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Häufige Fragen

Muss ich für eine Cholesterinmessung nüchtern sein?

In den meisten Fällen nicht. Europäische Fachgesellschaften halten eine nicht nüchterne Messung für die Routine für ausreichend, weil sich Cholesterinwerte nach einer normalen Mahlzeit kaum ändern. Die Triglyzeride steigen etwas an. Sind sie deutlich erhöht oder hat Ihre Praxis eine Nüchternmessung vorgesehen, sollten Sie acht bis zwölf Stunden nichts essen.

Welcher LDL-Wert ist normal?

Einen für alle gültigen Normalwert gibt es nicht. Die europäischen Leitlinien richten den LDL-Zielwert nach dem persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko aus: unter 116 mg/dl bei niedrigem, unter 100 mg/dl bei mittlerem, unter 70 mg/dl bei hohem und unter 55 mg/dl bei sehr hohem Risiko. Ihr Risiko schätzt die Ärztin oder der Arzt anhand von Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Vorerkrankungen ein.

Was bedeutet ein hohes Lipoprotein(a)?

Lipoprotein(a) ist ein vorwiegend erblich festgelegtes Blutfettteilchen. Ein hoher Wert erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Verengung der Aortenklappe, auch wenn das LDL normal ist. Durch Ernährung oder Sport lässt es sich kaum senken. Ein erhöhtes Lp(a) ist ein Grund, die übrigen Risikofaktoren konsequenter zu behandeln, und kann für Verwandte relevant sein.

Ist ein hohes HDL immer gut?

Ein HDL im mittleren bis oberen Bereich geht statistisch mit geringerem Risiko einher. Sehr hohe HDL-Werte schützen aber nicht zusätzlich und können durch Alkohol, bestimmte Medikamente oder seltene Stoffwechselvarianten bedingt sein. Ein hohes HDL gleicht ein erhöhtes LDL nicht aus. Beurteilt wird immer das gesamte Profil.

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