Was bedeutet ein erhöhtes Lipoprotein (a)?
Lp(a) ist ein LDL-ähnliches Partikel mit einem angehängten Apolipoprotein (a). Dieses Anhängsel ähnelt dem Plasminogen, einem Eiweiß, das an der Auflösung von Blutgerinnseln beteiligt ist. Erhöhte Werte sind ursächlich mit Arterienverkalkung verbunden, also mit koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine, außerdem mit einer verkalkenden Verengung der Aortenklappe. Lp(a) ersetzt dabei nicht die Bewertung des LDL-Cholesterins, es kommt als eigenständiger Risikofaktor dazu.
Ab welchem Wert gilt Lp(a) als erhöht?
Nach dem europäischen Konsens gelten Werte unter etwa 30 mg/dl beziehungsweise 75 nmol/l als unauffällig, Werte über 50 mg/dl beziehungsweise 125 nmol/l als erhöhtes Risiko; dazwischen liegt ein Graubereich, der im Gesamtrisiko bewertet wird. Eine scharfe Grenze gibt es nicht, weil das Risiko mit der Höhe stetig ansteigt. Wichtig ist die Einheit: mg/dl und nmol/l lassen sich nicht mit einem festen Faktor umrechnen, weil die Partikel unterschiedlich groß sind. Die Angabe in nmol/l gilt als besser vergleichbar. Maßgeblich bleibt der Bereich Ihres Labors.
Welche Ursachen hat ein hohes Lp(a)?
In den allermeisten Fällen ist es die Veranlagung: Varianten im LPA-Gen legen die Höhe weitgehend fest, und der Wert bleibt ein Leben lang ähnlich. Zusätzlich können Nierenerkrankungen, besonders ein nephrotisches Syndrom mit hohem Eiweißverlust über den Urin, und eine Schilddrüsenunterfunktion den Wert anheben. Auch Entzündungen können den Wert vorübergehend verändern. Tritt ein hohes Lp(a) zusammen mit einer familiären Hypercholesterinämie auf, addieren sich die Risiken beider Veranlagungen.
Was ist nach einem erhöhten Lp(a)-Wert zu tun?
Ein Medikament, das gezielt Lp(a) senkt und nachweislich vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt, gibt es bisher nicht; an solchen Wirkstoffen wird geforscht. Die praktische Konsequenz liegt daher bei den übrigen Risikofaktoren: LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker, Rauchen und Gewicht werden besonders konsequent beachtet. Wie streng, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand des Gesamtrisikos. Eine Wiederholung der Messung ist meist nicht nötig. Bei stark erhöhten Werten ist eine einmalige Messung bei nahen Verwandten sinnvoll.
Messung, Einheit und Störfaktoren
Lp(a) wird direkt gemessen, meist mit einem immunologischen Test, und nicht aus dem Gesamtcholesterin berechnet. Für Lp(a) selbst spielt es keine wesentliche Rolle, ob Sie nüchtern sind; weil der Wert meist zusammen mit dem übrigen Lipidprofil bestimmt wird, richten Sie sich nach den Vorgaben Ihres Labors. Eine Ernährungsumstellung oder eine Pause von Nahrungsergänzungsmitteln vor der Abnahme ist nicht nötig.
Die Einheit entscheidet über die Bewertung. mg/dl beschreibt die Masse, nmol/l die Zahl der Teilchen. Weil der Apolipoprotein (a)-Anteil je nach Veranlagung unterschiedlich groß ist, gibt es keinen verlässlichen Umrechnungsfaktor; der europäische Konsens rät ausdrücklich davon ab, mit einem festen Faktor umzurechnen. Ergebnisse aus verschiedenen Laboren oder mit verschiedenen Methoden sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Eine Wiederholung wird empfohlen, wenn die erste Messung unplausibel war, Labor oder Methode gewechselt haben oder zum Zeitpunkt der Messung eine Nierenerkrankung oder eine akute Infektion bestand.
Warum Lp(a) fast immer Veranlagung ist
Die Höhe des Lp(a) wird überwiegend von Varianten des LPA-Gens bestimmt, insbesondere von der Größe des Apolipoprotein (a); kleine Varianten gehen meist mit höheren Werten einher. Der Wert ist bereits im Kindesalter weitgehend festgelegt und bleibt über das Leben hinweg ziemlich stabil. Ernährung, Bewegung und Gewichtsabnahme beeinflussen ihn nur wenig, anders als LDL-Cholesterin oder Triglyzeride.
Genau das erklärt, warum in manchen Familien früh Herzinfarkte oder Schlaganfälle auftreten, obwohl das LDL-Cholesterin unauffällig ist. Bei stark erhöhtem Lp(a), bei familiärer Hypercholesterinämie und bei früher Gefäßerkrankung in der Familie wird empfohlen, auch Angehörige ersten Grades einmal messen zu lassen.
Sekundäre Einflüsse: Niere, Schilddrüse, Entzündung
Neben der Veranlagung gibt es wenige Zustände, die Lp(a) zusätzlich anheben. Bei einem nephrotischen Syndrom, einer Nierenerkrankung mit hohem Eiweißverlust über den Urin, kann der Wert steigen; auch andere Nierenerkrankungen und eine eingeschränkte Nierenfunktion können ihn anheben. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann Lp(a) ebenfalls anheben.
Auch Entzündungen und akute Infekte können den Wert vorübergehend verändern. Ein Wert, der in einer solchen Situation gemessen wurde, sollte nach dem Abklingen kontrolliert werden. Die genetische Grundhöhe bleibt in allen diesen Fällen der entscheidende Anteil.
Begleitwerte: Lp(a) im Lipidprofil
Lp(a) wird nie allein bewertet. LDL-Cholesterin bleibt der wichtigste beeinflussbare Blutfettwert; ein hohes Lp(a) kann ein Grund sein, das LDL strenger zu kontrollieren. Apolipoprotein B (ApoB) zählt alle gefäßschädigenden Partikel, Lp(a) ist eine genetisch geprägte Untergruppe davon. Non-HDL-Cholesterin enthält den Cholesterinanteil des Lp(a), trennt ihn aber nicht heraus. Ein erhöhtes LDL verstärkt das Lp(a)-Risiko zusätzlich.
Zum Gesamtbild gehören außerdem Blutdruck, Blutzucker beziehungsweise HbA1c, Rauchen, Gewicht und die Familiengeschichte. Erst aus allen Faktoren ergibt sich das Risiko, nach dem die Ärztin oder der Arzt das weitere Vorgehen festlegt. Besonders ernst genommen wird ein hohes Lp(a) bei früher Gefäßerkrankung, einer Verengung der Aortenklappe, familiärer Hypercholesterinämie oder wiederholten Ereignissen trotz guten LDL-Werten. Im Unterschied zum CRP ist Lp(a) kein Entzündungsmarker, und im Unterschied zum HDL ist es kein Schutzwert, der möglichst hoch sein sollte.
Verlauf, Kontrollen und Behandlungsstand
Weil Lp(a) über das Leben stabil bleibt, ist es ein Wert für die einmalige Risikoeinordnung, nicht für regelmäßige Verlaufskontrollen. Ernährung, Bewegung und Gewichtsabnahme verbessern LDL-Cholesterin, Blutdruck und Gewicht, das Lp(a) aber meist kaum. Ein hoher Wert bleibt deshalb ein Risikomerkmal, auch wenn das LDL-Cholesterin gut eingestellt ist. Die europäischen Fachgesellschaften empfehlen, Lp(a) bei jedem Erwachsenen mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Wiederholt wird nur in den genannten Sonderfällen oder wenn eine Lp(a)-senkende Behandlung überwacht werden soll.
Ein Medikament, das gezielt Lp(a) senkt und dessen Nutzen für Herz und Gefäße belegt ist, gibt es bisher nicht. An Wirkstoffen, die die Bildung von Apolipoprotein (a) in der Leber hemmen, wird geforscht; ob eine Senkung des Lp(a) Herzinfarkte und Schlaganfälle tatsächlich verhindert, ist noch nicht geklärt. Die praktische Konsequenz eines hohen Lp(a) liegt deshalb heute vor allem bei den übrigen Risikofaktoren, an erster Stelle beim LDL-Cholesterin. Über alle Fragen der Behandlung entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein erhöhtes Lp(a) selbst verursacht keine Beschwerden. Gefährlich werden können die Folgen an Herz, Gehirn und Gefäßen. Deshalb sollten Menschen mit hohem Lp(a) die Warnzeichen eines Herzinfarkts kennen: plötzlicher starker Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, der in Arm, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen kann, dazu kalter Schweiß, Übelkeit, Atemnot oder Beklemmung. Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes stehen oft untypische Beschwerden wie Atemnot, Müdigkeit oder Oberbauchschmerz im Vordergrund.
Beim Schlaganfall zählen plötzliche einseitige Lähmung oder Taubheit, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen und plötzlicher Schwindel mit Fallneigung. In allen diesen Fällen gilt: sofort den Notruf 144 oder 112 wählen und nicht abwarten, auch wenn die Beschwerden wieder nachlassen. Neue Beschwerden bei Belastung wie Brustenge oder Atemnot gehören zeitnah ärztlich abgeklärt.
Häufige Fragen
Kann ich mein Lp(a) durch Ernährung oder Sport senken?
Kaum. Lp(a) ist überwiegend genetisch festgelegt; Ernährung, Bewegung und Gewichtsabnahme verändern den Wert nur wenig. Trotzdem lohnt sich ein gesunder Lebensstil bei hohem Lp(a) besonders, weil er LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker und Gewicht verbessert und damit das Gesamtrisiko senkt, auf das es ankommt. Welche weiteren Schritte sinnvoll sind, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie oft muss Lp(a) gemessen werden?
Meist nur einmal im Erwachsenenalter, weil der Wert über das Leben stabil bleibt. Eine Wiederholung ist sinnvoll, wenn die erste Messung unplausibel war, Labor oder Methode gewechselt haben, zum Messzeitpunkt eine Nierenerkrankung oder eine akute Infektion bestand oder eine Lp(a)-senkende Behandlung kontrolliert wird. Der Wert ist schon im Kindesalter weitgehend festgelegt; Ernährung und Sport ändern ihn kaum.
Welche Einheit ist richtig: mg/dl oder nmol/l?
Beide kommen vor, sie messen aber Unterschiedliches: mg/dl die Masse, nmol/l die Zahl der Teilchen. Weil die Partikel je nach Veranlagung verschieden groß sind, gibt es keinen verlässlichen Umrechnungsfaktor. nmol/l gilt als besser vergleichbar und wird bevorzugt. Vergleichen Sie Werte deshalb nur in derselben Einheit und möglichst aus demselben Labor.
Sollten meine Kinder oder Geschwister auch gemessen werden?
Bei stark erhöhtem Lp(a), bei familiärer Hypercholesterinämie oder bei frühen Herzinfarkten oder Schlaganfällen in der Familie empfiehlt der europäische Konsens, Verwandte ersten Grades einmal messen zu lassen. Weil die Veranlagung vererbt wird, haben nahe Angehörige häufig ebenfalls hohe Werte. Eine einmalige Blutabnahme mit Bestimmung des Werts reicht dafür meist aus.
Quellen
- Kronenberg F et al.: Lipoprotein(a) in ASCVD and aortic stenosis – EAS-Konsens 2022 (European Heart Journal)
- DocCheck Flexikon: Lipoprotein (a)
- MedlinePlus: Lipoprotein (a) Blood Test
- 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias (European Heart Journal)
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Dyslipidämie
- Gesundheitsportal Österreich: Herzinfarkt – Symptome
Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
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