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MCHC zu niedrig: Was der erniedrigte Wert bedeutet

Steht auf Ihrem Befund ein MCHC unter dem Referenzbereich, ist die Hämoglobinkonzentration in den roten Blutkörperchen geringer als erwartet. Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert. Bei Erwachsenen gelten meist 32 bis 36 g/dl als Normalbereich. Bei Eisenmangel sinkt der MCHC meist erst spät, wenn der Mangel lange besteht und ausgeprägt ist. MCV (Größe der roten Blutkörperchen) und MCH (Hämoglobinmenge pro Zelle) verändern sich früher. Diese Seite erklärt Ursachen, Begleitwerte und nächste Schritte.

Was bedeutet ein zu niedriger MCHC?

Der MCHC (mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration) gibt an, wie dicht das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gepackt ist. Das Labor berechnet ihn aus Hämoglobin geteilt durch Hämatokrit, also den Anteil der Blutzellen am Blutvolumen. Liegt er unter dem Referenzbereich, spricht man von Hypochromie, also blass gefärbten Zellen. Häufig steckt eine gestörte Hämoglobinbildung dahinter, zum Beispiel durch fehlendes Eisen.

Welche Referenzbereiche gelten?

Für Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren sowie für Kinder von 2 bis 12 Jahren liegt der übliche Bereich bei 32 bis 36 g/dl. In der Schwangerschaft gelten 31 bis 35 g/dl, weil das Plasmavolumen zunimmt. Bei Säuglingen und Neugeborenen reicht der Bereich von 30 bis 36 g/dl. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich Ihres Labors.

Leicht oder deutlich erniedrigt: Was sagt das Ausmaß?

Feste Stufen für einen zu niedrigen MCHC gibt es nicht. Thalassämien, erbliche Störungen der Hämoglobinbildung, senken den MCHC meist nur leicht oder gar nicht. Unter 32 g/dl fällt er typischerweise erst bei schwerem, lange bestehendem Eisenmangel. Vor jeder Einordnung wird geprüft, ob eine Messstörung vorliegt, etwa eine zu lange gelagerte Probe, die den Wert scheinbar senkt.

Was ist jetzt zu tun?

Bei einem erniedrigten MCHC zusammen mit niedrigem MCV und MCH ist eine Eisenabklärung üblich: Ferritin (Eisenspeicher), Transferrinsättigung und löslicher Transferrin-Rezeptor als weitere Kennzahlen zum Eisenhaushalt sowie CRP, ein Entzündungswert. Ist nur der MCHC auffällig, steht zuerst eine Wiederholungsmessung an. Besprechen Sie den Befund mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, besonders wenn Sie sich müde oder kurzatmig fühlen.

Häufige Ursachen eines zu niedrigen MCHC

Die häufigste echte Ursache ist ein schwerer, chronischer Eisenmangel. Fehlt dem Knochenmark über längere Zeit Eisen, kann es weniger Hämoglobin in die neuen roten Blutkörperchen einbauen. Der MCHC reagiert dabei träge: Zu Beginn eines Eisenmangels liegt er meist noch im unteren Normbereich. Erst wenn der Mangel lange besteht und ausgeprägt ist, fällt er unter 32 g/dl. MCV und MCH sinken früher und sind die empfindlicheren Hinweise.

Eine weitere wichtige Ursache sind Thalassämien. Das sind erbliche Störungen der Hämoglobinbildung. Typisch sind ein niedriger MCV und ein niedriger MCH. Der MCHC ist dabei aber meist nur leicht erniedrigt oder sogar normal. Eine leichte Form, die Thalassaemia minor, verursacht oft keinerlei Beschwerden und fällt nur im Blutbild auf. Ob Eisenmangel oder Thalassämie vorliegt, lässt sich erst mit weiteren Werten unterscheiden.

Seltene Ursachen

Seltener steckt eine sideroblastische Anämie hinter einem niedrigen MCHC. Dabei ist der Einbau von Eisen in das Hämoglobin gestört. Diese Form kann angeboren oder erworben sein, etwa durch Alkohol, bestimmte Medikamente wie Isoniazid, Blei oder im Rahmen eines myelodysplastischen Syndroms (MDS), einer Erkrankung des Knochenmarks. Die roten Blutkörperchen sind dann unterschiedlich stark blass, MCH und MCHC sind tendenziell erniedrigt.

Auch Hämoglobinvarianten wie HbE oder HbC können je nach Konstellation zu einem erniedrigten MCHC führen. Es handelt sich um angeborene Veränderungen des Hämoglobins selbst. Eine weitere seltene Ursache ist eine Bleivergiftung. Ein Hinweis darauf kann im Blutausstrich sichtbar werden, also bei der Betrachtung der Blutzellen unter dem Mikroskop: Dort zeigen sich feine blaue Punkte in den roten Blutkörperchen, die basophile Tüpfelung.

Welche Beschwerden passen dazu?

Der MCHC selbst verursacht keine Beschwerden. Spürbar wird meist die zugrunde liegende Blutarmut (Anämie), wenn sie ausgeprägt ist. Typisch sind Müdigkeit, Atemnot bei Belastung, blasse Haut und Schleimhäute sowie brüchige Nägel. Manche Betroffene bemerken unruhige Beine in Ruhe, das sogenannte Restless-Legs-Syndrom. Bei schwerem Eisenmangel tritt gelegentlich Pica auf, ein ungewöhnliches Verlangen nach Eis, Erde oder Stärke.

Bei einer Thalassaemia minor fehlen Beschwerden dagegen häufig ganz, obwohl das Blutbild auffällig ist. Ein niedriger MCHC ohne jedes Symptom ist deshalb nicht ungewöhnlich, sollte aber eingeordnet werden. Umgekehrt beweisen Müdigkeit oder Blässe allein keinen Zusammenhang mit dem Laborwert. Erst das Zusammenspiel von Beschwerden, Begleitwerten und Vorgeschichte ergibt ein stimmiges Bild für die ärztliche Einschätzung.

Begleitwerte und typische Konstellationen

Allein ist der MCHC wenig aussagekräftig. Wichtig sind vor allem MCV und MCH. Der MCV beschreibt das Volumen einer einzelnen Zelle, der MCH die Hämoglobinmenge pro Zelle. Der MCHC dagegen ist eine Konzentration, also Hämoglobin pro Zellvolumen. Sind MCV, MCH und MCHC gemeinsam erniedrigt, spricht das für kleine, blasse Zellen. Diese Konstellation passt am ehesten zu einem ausgeprägten Eisenmangel und führt zur Eisenabklärung.

Sind MCV und MCH niedrig, der MCHC aber normal oder nur knapp darunter, kommen Eisenmangel im früheren Stadium oder eine Thalassaemia minor infrage. Zur Unterscheidung dienen das Ferritin, der wichtigste Speicherwert für Eisen, und der Mentzer-Index, eine Kennzahl, die aus Werten des Blutbilds berechnet wird. Liegt das Ferritin im Normbereich und der Mentzer-Index unter 13, folgt üblicherweise eine Hämoglobin-Elektrophorese, eine Auftrennung der Hämoglobinarten im Labor.

Weitere Werte runden das Bild ab. Der Hämatokrit ist direkt mit dem MCHC verknüpft: Steigt er, etwa weil die Zellen in einer zu lange gelagerten Probe aufquellen, sinkt der MCHC rechnerisch. Die RDW beschreibt, wie stark die Größe der roten Blutkörperchen schwankt. Die Retikulozyten, also junge rote Blutkörperchen, zeigen, wie aktiv das Knochenmark neue Zellen bildet.

Störfaktoren bei der Blutabnahme und Verlauf

Ein niedriger MCHC kann auch durch die Probe selbst entstehen. Wird das Blut erst lange nach der Abnahme untersucht, quellen die roten Blutkörperchen auf. Der Hämatokrit steigt dadurch rechnerisch, und der MCHC sinkt scheinbar. Deshalb sollte die Probe innerhalb von vier Stunden verarbeitet werden. Lagewechsel beeinflussen Hämoglobin und Hämatokrit gleichermaßen und verändern den MCHC daher kaum. Üblich ist eine Abnahme nach 15 Minuten Sitzen.

Der MCHC gehört zu den stabilsten Werten im Blutbild, die Schwankung von Tag zu Tag liegt typischerweise unter 3 Prozent. Ein einzelner auffälliger Wert sagt dennoch wenig. Ist nur der MCHC erniedrigt, MCV und MCH aber unauffällig, ist das selten und wird zuerst durch eine Wiederholungsmessung an einer frischen Probe überprüft. Diese Prüfung auf Plausibilität kommt vor der weiteren Ursachensuche.

Bei einem echten, durch schweren Eisenmangel bedingten MCHC unter 32 g/dl normalisiert sich der Wert nach Behandlung der Ursache typischerweise nach zwei bis drei Monaten, gemeinsam mit MCV und MCH. Kontrollen im weiteren Verlauf zeigen daher, ob die Maßnahmen greifen. Wie oft kontrolliert wird, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.

Warnzeichen und nächste Schritte

Ärztlich abklären lassen sollten Sie einen zu niedrigen MCHC vor allem dann, wenn auch Hämoglobin, MCV oder MCH erniedrigt sind oder wenn Sie Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Atemnot bei Belastung oder auffällige Blässe bemerken. Rasch ärztlich vorstellen sollten Sie sich, wenn deutlich abweichende Werte und starke Beschwerden zusammenkommen. Bei akuten, schweren Beschwerden wählen Sie den Notruf.

Für das Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt hilft es, frühere Blutbilder mitzubringen, denn der Verlauf sagt mehr als ein einzelner Wert. Die Reihenfolge der Abklärung ist meist klar: Bei isoliert erniedrigtem MCHC steht die Wiederholungsmessung am Anfang, sonst die oben beschriebene Eisenabklärung. Hilfreich sind außerdem Angaben zur Ernährung, zur Familienvorgeschichte, etwa bekannten Blutarmuten bei Verwandten, und zu eingenommenen Medikamenten.

Häufige Fragen

Ist ein niedriger MCHC gefährlich?

Ein leicht erniedrigter MCHC allein sagt wenig aus. Entscheidend sind die Begleitwerte und Ihre Beschwerden. Sind auch Hämoglobin, MCV und MCH niedrig, spricht das für eine Störung der Blutbildung, häufig durch Eisenmangel, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Bei starken Beschwerden wie ausgeprägter Atemnot suchen Sie rasch ärztliche Hilfe.

Kann der MCHC bei Eisenmangel normal sein?

Ja, das kommt oft vor. Zu Beginn eines Eisenmangels sinken zuerst Ferritin, Transferrinsättigung, MCV und MCH. Der MCHC bleibt oft noch im unteren Normbereich. Unter 32 g/dl fällt er meist erst bei einem schweren, lange bestehenden Mangel. Ein normaler MCHC schließt einen Eisenmangel daher nicht aus, und für die Suche nach Eisenmangel ist er nicht der empfindlichste Wert.

Was bedeutet MCHC niedrig, aber MCV und MCH normal?

Eine isolierte Erniedrigung des MCHC bei unauffälligem MCV und MCH ist selten. Bevor nach Ursachen gesucht wird, steht deshalb meist eine Wiederholungsmessung an einer frischen Probe. Ein möglicher Störfaktor ist eine zu lange Lagerung des Blutes: Quellen die Zellen auf, sinkt der MCHC scheinbar. Daher sollte die Probe innerhalb von vier Stunden verarbeitet werden.

Ist ein niedriger MCHC in der Schwangerschaft normal?

In der Schwangerschaft gilt ein etwas niedrigerer Referenzbereich von 31 bis 35 g/dl, weil das Plasmavolumen zunimmt. Ein Wert knapp unter 32 g/dl kann daher in diesem Zeitraum noch im üblichen Rahmen liegen. Liegt der MCHC unter 31 g/dl oder sind MCV und MCH ebenfalls niedrig, wird das ärztlich eingeordnet, häufig mit einer Eisenabklärung.

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