Was bedeutet ein erhöhter LDH-Wert?
LDH ist ein Signal für Zellschaden oder hohen Zellumsatz, kein Beweis für ein bestimmtes Organ. Das Enzym steckt in Muskeln, Leber, Nieren, Herz und roten Blutkörperchen; wird dort Gewebe geschädigt, steigt der Wert im Blut. Für Erwachsene liegt die Obergrenze des Referenzbereichs je nach Labor und Messmethode meist zwischen etwa 215 und 250 U/l. Weil die Methode den Wert stark beeinflusst, ist der auf Ihrem Befund angegebene Bereich maßgeblich, und Verlaufswerte sollten aus demselben Labor stammen.
Kann LDH durch die Blutabnahme falsch hoch sein?
Ja, und das ist die häufigste Falle. Rote Blutkörperchen enthalten viel LDH. Platzen sie bei der Abnahme oder beim Transport, etwa durch starken Sog in der Spritze, Erwärmung oder Einfrieren der Probe, gelangt das Enzym in die Flüssigkeit und der Wert steigt, ohne dass im Körper etwas passiert ist. Fachleute nennen das Hämolyse. Viele Labore vermerken sie auf dem Befund. Ein unplausibel hoher Einzelwert wird deshalb meist mit einer sauberen Abnahme wiederholt, bevor weitere Schritte folgen.
Welche Ursachen stecken hinter hohem LDH?
Die Liste ist lang, weil fast jedes Gewebe LDH abgibt. Häufig sind ein Zerfall roter Blutkörperchen im Körper, Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Zirrhose, Muskelschäden bis hin zum Muskelzerfall, eine Lungenembolie, ein Herzinfarkt, schwere Infektionen und eine Blutarmut durch Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure. Auch Tumorerkrankungen, besonders Lymphome, Leukämien oder das multiple Myelom, erhöhen LDH, ebenso der rasche Zerfall von Tumorzellen unter Therapie. Intensiver Sport kommt als meist harmloser Auslöser hinzu.
Was ist nach einem erhöhten LDH-Wert zu tun?
Entscheidend ist der Blick auf die Nachbarwerte. Niedriges Haptoglobin, erhöhtes Bilirubin und vermehrte Retikulozyten sprechen für einen Zerfall roter Blutkörperchen, eine hohe Kreatinkinase für Muskelschaden, erhöhte Leberwerte für die Leber. Bei Verdacht auf das Herz ist Troponin der weit aussagekräftigere Marker. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird den Wert mit Ihren Beschwerden, Medikamenten und dem Blutbild zusammenführen. Ein isolierter LDH-Wert ohne Kontext erlaubt keine Diagnose, ein deutlich erhöhter Wert mit Beschwerden gehört rasch abgeklärt.
Störfaktoren: wenn die Probe den Wert verfälscht
LDH gehört zu den Laborwerten, die stark von der Probenqualität abhängen. Rote Blutkörperchen enthalten große Mengen des Enzyms. Werden sie beim Aufziehen des Blutes durch hohen Sog, durch unkontrollierte Erwärmung beim Transport oder durch Einfrieren der Vollblutprobe zerstört, steigt die gemessene Aktivität deutlich an. Diese Hämolyse im Röhrchen ist der häufigste Grund für einen falsch hohen LDH-Wert. Auch das Serum sollte bald nach der Abnahme von den Blutzellen getrennt werden, sonst gibt die Probe während der Lagerung weiter LDH ab.
Nüchtern müssen Sie für die Bestimmung nicht sein. Wichtiger ist, was in den Tagen vor der Abnahme geschah: Intensive körperliche Anstrengung kann Muskelwerte und damit auch LDH anheben. Die Messung ist zudem methodenabhängig; Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren teils erheblich, und ein Labor kann nach einer Methodenumstellung andere Grenzen angeben als zuvor. Verlaufskontrollen sind deshalb nur im selben Labor und mit derselben Methode wirklich vergleichbar.
Häufige und seltene Ursachen einer echten Erhöhung
Eine echte Erhöhung entsteht, wenn im Körper Zellen zugrunde gehen oder sich sehr rasch teilen. Eine häufige Ursache ist der vorzeitige Abbau roter Blutkörperchen, die hämolytische Anämie. Hier steigt LDH, während Haptoglobin, ein Bindeeiweiß für freies Hämoglobin, verbraucht wird. Auch bei einer Blutarmut durch Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure, der megaloblastären Anämie, ist LDH typischerweise erhöht, weil unreife Blutzellen bereits im Knochenmark zerfallen.
Zweite große Gruppe sind Organschäden. Die Leber gibt LDH bei akuter Hepatitis oder Zirrhose ab, der Skelettmuskel bei Muskelentzündungen, Muskeldystrophie, Verletzungen oder einem Muskelzerfall, der Rhabdomyolyse. Eine Lungenembolie und ein Herzinfarkt erhöhen den Wert ebenfalls; für das Herz ist LDH heute allerdings nur noch ein Nebenbefund, weil Troponin Herzmuskelschäden viel genauer und früher anzeigt. Schwere Infektionen gehören ebenfalls zu den Auslösern, ebenso Erkrankungen der Nieren.
Schließlich steigt LDH bei Tumorerkrankungen mit hohem Zellumsatz, etwa bei Lymphomen, Leukämien oder dem multiplen Myelom. Dort dient der Wert auch zur Einschätzung der Ausdehnung und zur Verlaufskontrolle unter Therapie. Zerfallen unter einer Behandlung sehr viele Tumorzellen auf einmal, sprechen Fachleute vom Tumorlysesyndrom: LDH steigt dann zusammen mit Harnsäure, Kalium und Phosphat, und die Niere kann in Bedrängnis geraten. Dieses Bild tritt meist unter laufender Krebsbehandlung auf, selten auch spontan.
Begleitwerte: welches Muster auf welche Ursache deutet
LDH wird erst im Verbund brauchbar. Ist LDH erhöht und zugleich Haptoglobin niedrig, das indirekte Bilirubin erhöht und die Zahl der Retikulozyten, also der jungen roten Blutkörperchen, gesteigert, spricht das für einen Zerfall roter Blutkörperchen im Körper. Eine hämolytische Probe kann dieselbe Richtung vortäuschen, weshalb der Vermerk des Labors wichtig ist. Steigt LDH zusammen mit der Kreatinkinase und dem Myoglobin, lenkt das auf den Muskel. Erhöhte Transaminasen und Bilirubin zeigen eher in Richtung Leber oder Gallenwege.
Bei Brustschmerz oder Atemnot zählt nicht LDH, sondern Troponin, gegebenenfalls ergänzt um D-Dimer und Bildgebung. Im Unterschied zu CRP ist LDH kein Entzündungsmarker, und anders als Ferritin zeigt es keinen Speicher, sondern Zellumsatz. Bei Verdacht auf eine Blutarmut gehören Hämoglobin, MCV, Vitamin B12 und Folsäure dazu. Bei Tumorverdacht ergänzen Blutbild, Blutausstrich, Harnsäure, Kalium, Phosphat und Kreatinin das Bild. Welche dieser Werte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand Ihrer Beschwerden.
Beschwerden, die zu erhöhter LDH passen können
Ein erhöhtes LDH verursacht selbst keine Beschwerden; spürbar wird nur die Ursache. Beim Zerfall roter Blutkörperchen sind das Müdigkeit, Blässe, Atemnot bei Belastung, eine Gelbfärbung von Haut und Augen oder dunkler Urin. Bei Muskelschäden stehen Muskelschmerzen, Schwäche und Druckempfindlichkeit im Vordergrund; bei einem ausgeprägten Muskelzerfall kann der Urin rötlich-braun bis teefarben werden, weil Muskelfarbstoff ausgeschieden wird.
Leberbeteiligung zeigt sich oft durch Oberbauchbeschwerden, Übelkeit oder Gelbsucht. Plötzliche Atemnot, Brustschmerz beim Einatmen, Herzrasen oder Schwindel können auf eine Lungenembolie hinweisen. Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust oder geschwollene Lymphknoten passen zu einer Erkrankung mit hohem Zellumsatz. Viele Menschen mit leicht erhöhtem LDH haben allerdings gar keine Beschwerden; dann steht die Frage nach Probenqualität und Vorbefunden an erster Stelle.
Verlauf und Kontrollen
LDH eignet sich eher als Verlaufs- und Musterwert denn als Sofortmarker. Nach einem Gewebeschaden bleibt die Aktivität oft länger erhöht als sehr frühe Marker. Bei hämolytischen Prozessen oder Tumorzerfall kann der Wert rasch steigen und unter Behandlung wieder fallen. Bei einer Blutarmut durch Vitamin-B12- oder Folsäuremangel sinkt LDH, sobald der Mangel ärztlich ausgeglichen wird, allerdings nicht über Nacht, sondern über Tage bis Wochen.
Ein einzelner, leicht erhöhter Wert ohne Beschwerden und ohne auffällige Nachbarwerte wird meist kontrolliert, bevor eine aufwendige Suche beginnt. Für die Wiederholung gilt: gleiches Labor, gleiche Methode, schonende Abnahme ohne lange Stauung und ohne intensiven Sport in den Tagen davor. Begleitwerte wie Kreatinkinase, Transaminasen, Bilirubin, Haptoglobin und Blutbild sollten möglichst aus derselben Abnahme stammen, damit das Muster stimmig beurteilt werden kann.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein erhöhter LDH-Wert allein ist kein Notfall. Gefährlich sind manche der Ursachen, die dahinterstehen können. Plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen, Schwindel oder eine Ohnmacht sind Notfallzeichen, hinter denen eine Lungenembolie oder ein Herzinfarkt stecken kann; hier ist der Notruf richtig, unabhängig vom Laborwert. Starke Muskelschmerzen mit Schwäche und dunklem, teefarbenem Urin sprechen für einen Muskelzerfall, der die Nieren schädigen kann und rasch behandelt werden muss.
Rasch abklären lassen sollten Sie auch eine neu aufgetretene Gelbfärbung von Haut oder Augen, ausgeprägte Blässe mit Luftnot, hohes Fieber mit Schüttelfrost oder dunklen Urin ohne erkennbaren Grund. Ein deutlich erhöhter LDH-Wert unter laufender Krebsbehandlung, besonders mit Übelkeit, Erbrechen, Herzstolpern, Krampfanfällen oder nachlassender Urinmenge, gehört sofort dem Behandlungsteam gemeldet. Leicht erhöhte Werte ohne Beschwerden besprechen Sie zeitnah mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Häufige Fragen
Kann ein erhöhter LDH-Wert harmlos sein?
Ja, häufig. Eine hämolytische Probe, also geplatzte rote Blutkörperchen im Röhrchen, ist der häufigste Grund für einen falsch hohen Wert. Auch intensiver Sport in den Tagen vor der Abnahme kann LDH anheben. Passt der Wert nicht zum Gesamtbild und fehlen Beschwerden, wird er meist mit einer sauberen Abnahme kontrolliert. Ob eine echte Erhöhung vorliegt, zeigt sich erst zusammen mit den Nachbarwerten.
Ist LDH ein Marker für Herzinfarkt?
Früher wurde LDH dafür genutzt, heute kaum noch. Bei Brustschmerz zählt Troponin, ein Eiweiß aus dem Herzmuskel, das Schäden deutlich früher und genauer anzeigt als LDH. LDH steigt zwar auch beim Herzinfarkt, aber ebenso bei Leber-, Muskel- oder Blutkrankheiten. Bei akuten Herzbeschwerden entscheidet nicht der LDH-Wert, sondern EKG, Troponin und das klinische Bild.
Welche Begleitwerte zeigen, woher das LDH kommt?
Haptoglobin, indirektes Bilirubin und Retikulozyten deuten auf einen Zerfall roter Blutkörperchen, wenn Haptoglobin niedrig und die beiden anderen erhöht sind. Kreatinkinase und Myoglobin sprechen für Muskelschaden, Transaminasen und Bilirubin für die Leber. Bei Tumorverdacht ergänzen Blutbild, Blutausstrich, Harnsäure, Kalium, Phosphat und Kreatinin das Bild. Welche Werte sinnvoll sind, hängt von Ihren Beschwerden ab.
Muss ich für die LDH-Bestimmung nüchtern sein?
Nein, Nüchternheit ist nicht erforderlich. Wichtiger sind eine schonende Blutabnahme ohne Hämolyse, keine intensive körperliche Belastung in den Tagen davor und eine rasche Verarbeitung der Probe im Labor. Für Verlaufskontrollen sollten Sie beim selben Labor bleiben, weil die Referenzbereiche für LDH von der Messmethode abhängen und sich zwischen Laboren deutlich unterscheiden können.
Quellen
- DocCheck Flexikon: Laktatdehydrogenase
- MedlinePlus: Lactate Dehydrogenase (LDH) Test
- DocCheck Flexikon: Hämolyse
- MedlinePlus: Haptoglobin (HP) Test
- Gesundheitsportal Österreich: LDH (Laktatdehydrogenase)
- Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ: LDH
Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
Passende Vertiefung
Mehrere Werte gemeinsam einordnen
Mit dem Blutbefund-Inspektor können Sie Ihren LDH-Wert gemeinsam mit den übrigen Werten Ihres Befunds einordnen lassen.
Befund hochladen und einordnen lassen