Was bedeutet ein erhöhter D-Dimer-Wert?
D-Dimere sind Bruchstücke von Fibrin, dem Eiweißnetz, das ein Blutgerinnsel zusammenhält. Ein erhöhter Wert zeigt, dass im Körper vermehrt Gerinnung und anschließender Abbau abgelaufen sind. Wo und warum, verrät der Wert nicht. Der Test ist sehr empfindlich, aber wenig spezifisch: Er schlägt bei einem frischen Gerinnsel fast immer an, aber auch bei vielen anderen Anlässen. Ein erhöhter Wert ist deshalb keine Diagnose. Aussagekraft bekommt er erst zusammen mit Ihren Beschwerden und der ärztlichen Einschätzung.
Ab welchem Wert gelten D-Dimere als erhöht?
Häufig verwendet wird ein Grenzwert von etwa 0,5 mg/l FEU, das entspricht 500 µg/l. FEU steht für Fibrinogen-Äquivalent-Einheiten. Weil die Tests nicht einheitlich standardisiert sind, arbeiten manche Labore mit anderen Einheiten oder eigenen Grenzwerten. Ab 50 Jahren wird oft ein altersangepasster Grenzwert verwendet: Alter mal 10 µg/l, bei 80 Jahren also etwa 800 µg/l. Diese Angaben sind orientierend. Maßgeblich sind immer der Bereich und die Einheit, die Ihr Labor auf dem Befund angibt.
Welche Ursachen hat ein erhöhter D-Dimer-Wert?
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie steigen die D-Dimere typischerweise deutlich an. Viel öfter stecken aber andere Gründe dahinter: Operationen, Verletzungen, Knochenbrüche und größere Blutergüsse, Infektionen wie Lungenentzündung oder Sepsis, aktive Krebserkrankungen, Lebererkrankungen, eine Schwangerschaft und die ersten Wochen nach der Geburt. Auch im höheren Alter und bei Bettlägerigkeit liegen die Werte oft ohne Thrombose über dem Grenzwert. Stark erhöhte Werte kommen bei der Verbrauchskoagulopathie vor, einer schweren Entgleisung der Gerinnung.
Wie geht es nach einem erhöhten D-Dimer-Wert weiter?
Entscheidend ist, warum der Wert bestimmt wurde. Bei Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie schätzt die Ärztin oder der Arzt zuerst die klinische Wahrscheinlichkeit ein, etwa mit dem Wells-Score, einem Punkteschema aus Beschwerden und Risikofaktoren. Ist sie niedrig oder mittel und der D-Dimer-Wert erhöht, folgt eine Bildgebung: ein Ultraschall der Beinvenen oder eine CT-Angiographie der Lunge, eine Schichtaufnahme mit Kontrastmittel. Ein zufällig gefundener erhöhter Wert ohne Beschwerden wird im Zusammenhang mit Alter, Vorerkrankungen und kürzlichen Ereignissen bewertet.
Grenzwerte, Einheiten und Messung
D-Dimere werden aus Citratplasma bestimmt, meist aus einem Röhrchen mit hellblauem Verschluss, das korrekt gefüllt und nach der Abnahme vorsichtig geschwenkt wird. Nüchtern müssen Sie dafür nicht sein. Gemessen wird mit immunologischen Tests, die das typische Bruchstück über Antikörper erkennen. Diese Tests sind nicht einheitlich standardisiert, die Hersteller geben unterschiedliche Referenz- und Entscheidungsbereiche an. Manche Labore berichten in Fibrinogen-Äquivalent-Einheiten (FEU), andere in D-Dimer-Einheiten (DDU), dazu kommen mg/l, µg/l oder ng/ml.
Ein Befund darf deshalb nur mit dem Grenzwert in derselben Einheit verglichen werden, Werte verschiedener Labore lassen sich nicht ohne Weiteres gegenüberstellen. Für den Ausschluss einer Thrombose werden hochempfindliche, quantitative Tests empfohlen; Schnelltests mit geringerer Empfindlichkeit sind dafür nur eingeschränkt geeignet. In seltenen Fällen können sehr hohe Rheumafaktoren oder andere störende Antikörper einzelne Tests verfälschen. Wichtig für die Bewertung sind außerdem der Zeitpunkt seit Beginn der Beschwerden und eine bereits begonnene Gerinnungshemmung.
Warum D-Dimere mit dem Alter und in der Schwangerschaft steigen
Gerinnung und Auflösung von Gerinnseln laufen im Körper ständig in kleinem Umfang ab, deshalb finden sich auch bei gesunden Menschen geringe Mengen D-Dimere. Mit dem Alter nimmt diese Grundaktivität zu, die Werte steigen ohne Krankheit. Darum wird ab 50 Jahren häufig der altersangepasste Grenzwert verwendet, Alter mal 10 µg/l. So lassen sich unnötige Untersuchungen mit Kontrastmittel vermeiden, ohne dass die Sicherheit des Ausschlusses relevant leidet. Dieser Grenzwert gilt nur bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit und für ein Testverfahren, für das er geprüft ist.
In der Schwangerschaft sind Gerinnung und Fibrinabbau von Natur aus aktiver. Die Werte steigen von einem Schwangerschaftsdrittel zum nächsten an und liegen gegen Ende oft deutlich über dem üblichen Grenzwert, ohne dass ein Gerinnsel besteht. Nach der Geburt normalisieren sie sich erst nach Wochen. Bei Verdacht auf eine Thrombose in der Schwangerschaft verlässt man sich deshalb nicht auf den D-Dimer-Wert allein; es gibt eigene Abklärungswege, in denen die Bildgebung im Vordergrund steht.
Häufige und seltene Ursachen ohne Thrombose
Jeder Gewebeschaden setzt Gerinnung in Gang. Nach Operationen, Verletzungen, Knochenbrüchen oder größeren Blutergüssen sind D-Dimere regelmäßig erhöht, nach einer Operation oft über mehrere Wochen. Das erschwert in dieser Zeit die Frage nach einer neuen Thrombose. Häufig sind auch Infektionen und Entzündungen, etwa eine Lungenentzündung, eine Sepsis oder COVID-19, sowie aktive Tumorerkrankungen. Ein Krankenhausaufenthalt, Bettlägerigkeit, Lebererkrankungen wie eine Zirrhose und eine eingeschränkte Nierenfunktion heben die Werte ebenfalls.
Seltener steckt eine Erweiterung der Hauptschlagader dahinter, ein Aortenaneurysma. Ein akuter Einriss der Hauptschlagaderwand, die Aortendissektion, kann ebenfalls mit erhöhten D-Dimeren einhergehen und ist ein Notfall. Stark erhöhte Werte finden sich bei der Verbrauchskoagulopathie, auch disseminierte intravasale Gerinnung genannt. Dabei ist die Gerinnung im ganzen Körper überaktiviert, etwa bei Sepsis, schweren Verletzungen oder Komplikationen rund um die Geburt. Sie ist lebensbedrohlich und wird im Krankenhaus behandelt.
Begleitwerte: typische Konstellationen
D-Dimere sind ein Baustein, kein Befund für sich. Erhöhte D-Dimere zusammen mit erhöhtem CRP, einem Entzündungswert, und erhöhten Leukozyten ohne Beschwerden an Bein oder Lunge sind häufig Ausdruck einer Entzündung. Stark erhöhte D-Dimere mit fallenden Thrombozyten, verlängerter INR und niedrigem Fibrinogen lenken den Verdacht auf eine Verbrauchskoagulopathie. Ein Abfall der Thrombozyten bei steigenden D-Dimeren ist ein Warnsignal, etwa bei Sepsis oder bei der heparininduzierten Thrombozytopenie, einer seltenen Reaktion auf das Gerinnungsmittel Heparin.
Ist eine Lungenembolie bestätigt, helfen Troponin und NT-proBNP einzuschätzen, wie stark das rechte Herz belastet ist. Die Nierenfunktion, gemessen etwa über Kreatinin, ist wichtig für die Wahl von Kontrastmitteluntersuchungen und Gerinnungshemmern. Mehr zu diesen Werten finden Sie auf den jeweiligen Laborwert-Seiten.
Normaler Wert trotz Beschwerden, Verlauf und Kontrolle
Auch ein normaler Wert hat Grenzen. Er kann trotz Thrombose vorkommen, wenn bereits ein Gerinnungshemmer eingenommen wird, wenn die Beschwerden schon länger bestehen, bei sehr kleinen Gerinnseln etwa in den Unterschenkelvenen oder bei weniger empfindlichen Tests. Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit wird deshalb ohne D-Dimer-Test oder ohne auf das Ergebnis zu warten direkt bildgebend untersucht.
D-Dimere eignen sich vor allem für eine einmalige Ausschlussfrage, weniger für enge Verlaufskontrollen. Ihre Halbwertszeit im Blut beträgt nur einige Stunden, ein hoher Wert zeigt also einen laufenden Prozess an. Nach einer Thrombose sinken die Werte unter Gerinnungshemmung meist innerhalb von Tagen bis Wochen. Ein erneuter Anstieg nach dem Ende der Behandlung wird in Studien als Hinweis auf ein höheres Rückfallrisiko herangezogen. Über Dauer und Änderung einer Gerinnungshemmung entscheidet aber nicht ein Einzelwert, sondern die Ärztin oder der Arzt nach der Gesamtbewertung.
Warnzeichen: wann sofort ärztliche Hilfe nötig ist
Erhöhte D-Dimere selbst verursachen keine Beschwerden. Entscheidend sind Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie. Eine tiefe Beinvenenthrombose zeigt sich meist an einem Bein: Wade, Knöchel oder Oberschenkel schwellen an, spannen, schmerzen oder sind druckempfindlich, die Haut ist warm, gerötet oder bläulich verfärbt. Manche Thrombosen verursachen anfangs gar keine Beschwerden.
Bei einer Lungenembolie setzen die Beschwerden meist plötzlich ein: Atemnot, stechende Schmerzen in der Brust, besonders beim Atmen, schneller Puls, Husten, manchmal mit Blut, Schwindel oder Ohnmacht. Plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Bluthusten oder Ohnmacht sind ein Notfall. Dann ist der Notruf richtig, unabhängig von einem Laborwert und auch dann, wenn ein früherer D-Dimer-Wert normal war.
Ein akut geschwollenes, schmerzhaftes Bein braucht ebenfalls sofort ärztliche Abklärung, ein blass oder blau verfärbtes, stark schmerzendes Bein ist ein Notfall. Ein zufällig erhöhter Wert ohne Beschwerden ist dagegen kein Grund zur Panik. Besprechen Sie ihn zeitnah mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, vor allem nach einer Operation, bei einer Krebserkrankung oder in der Schwangerschaft.
Häufige Fragen
Bedeutet ein erhöhter D-Dimer-Wert, dass ich eine Thrombose habe?
Nein, nicht automatisch. D-Dimere steigen bei vielen Zuständen, etwa nach Operationen und Verletzungen, bei Infektionen, Krebserkrankungen, in der Schwangerschaft und mit zunehmendem Alter. Ein erhöhter Wert ist nur zusammen mit Beschwerden und ärztlicher Einschätzung aussagekräftig. Besteht ein Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie, wird er mit Bildgebung abgeklärt, meist mit Ultraschall der Beinvenen oder einer CT-Angiographie der Lunge.
Was bedeutet ein normaler D-Dimer-Wert?
Bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit macht ein normaler Wert eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie sehr unwahrscheinlich; weitere Untersuchungen sind dann meist nicht nötig. Bei hoher Wahrscheinlichkeit reicht er zum Ausschluss nicht aus. Auch unter einer bereits laufenden Gerinnungshemmung oder bei schon länger bestehenden Beschwerden kann der Wert trotz Gerinnsel normal ausfallen.
Was ist der altersangepasste Grenzwert?
Ab 50 Jahren wird der Grenzwert häufig als Alter mal 10 µg/l berechnet, bei 70 Jahren also etwa 700 µg/l, bei 80 Jahren etwa 800 µg/l. Hintergrund ist, dass D-Dimere mit dem Alter auch ohne Krankheit ansteigen. So lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden. Der angepasste Grenzwert gilt nur bei nicht hoher klinischer Wahrscheinlichkeit und in der Einheit, für die er festgelegt ist.
Kann ich D-Dimere zur Vorsorge bestimmen lassen?
Als Suchtest ohne Beschwerden ist der Wert ungeeignet, weil er häufig aus harmlosen Gründen erhöht ist und dann unnötige Untersuchungen nach sich zieht. Sinnvoll ist er bei einem konkreten Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt hat. Bei akuten Warnzeichen wie plötzlicher Atemnot zählt ohnehin nicht der Laborwert, sondern rasche Hilfe.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Lungenembolie
- MedlinePlus (NIH): D-Dimer Test
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Tiefe Venenthrombose
- Universitätsklinikum Ulm, Klinische Chemie: Leistungsverzeichnis D-Dimere
- amedes: Bestimmung der D-Dimere zum Ausschluss thromboembolischer Ereignisse
- DocCheck Flexikon: D-Dimer
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