Laborwert

Progesteron im Blut: Normalwert, Zyklus, Schwangerschaft

Ein Progesteronwert steht selten allein auf dem Befund. Meist wurde er bestimmt, weil der Zyklus unregelmäßig ist, weil geklärt werden soll, ob ein Eisprung stattgefunden hat, oder weil eine frühe Schwangerschaft begleitet wird. Die Zahl kann von Tag zu Tag völlig anders ausfallen. Genau das ist die Eigenheit dieses Hormons: In der ersten Zyklushälfte ist Progesteron kaum nachweisbar, nach dem Eisprung steigt es auf ein Vielfaches, in der Schwangerschaft noch weit darüber. Ohne den Zyklustag der Blutabnahme ist der Wert nicht zu deuten. Ein einzelner Wert sagt auch nichts darüber, ob eine Schwangerschaft intakt ist. Er ist ein Mosaikstein neben Zyklusanamnese, Östradiol, LH und FSH.

Was ist Progesteron im Blut?

Progesteron ist das wichtigste natürliche Gestagen, umgangssprachlich das Gelbkörperhormon. Nach dem Eisprung wandelt sich der zurückbleibende Follikel im Eierstock unter dem Einfluss von LH in den Gelbkörper (Corpus luteum) um, der dann große Mengen Progesteron bildet. In der Schwangerschaft übernimmt die Plazenta die Produktion und steigert sie erheblich. Daneben entsteht Progesteron in kleinen Mengen in der Nebennierenrinde, auch bei Männern, als Vorstufe anderer Steroidhormone. Seine Hauptaufgabe: Es wandelt die von Östrogen aufgebaute Gebärmutterschleimhaut in die sekretorische Phase um und bereitet sie auf die Einnistung vor. Zusätzlich beruhigt es die Gebärmuttermuskulatur und erhöht die Basaltemperatur leicht. Gemessen wird Progesteron im Serum mit einem Immunoassay. Gebräuchliche Einheiten sind ng/ml (gleichbedeutend mit µg/l) und nmol/l; der Umrechnungsfaktor ist 3,18. Die Referenzbereiche der Labore weichen je nach Verfahren spürbar voneinander ab; maßgeblich ist Ihr Befund.

Bedeutung im Stoffwechsel

Progesteron ist Teil eines Regelkreises zwischen Zwischenhirn, Hirnanhangdrüse und Eierstock. GnRH aus dem Hypothalamus steuert die Freisetzung von LH und FSH; der LH-Gipfel löst den Eisprung aus, und LH hält anschließend den Gelbkörper am Leben. Der Gelbkörper arbeitet etwa 14 Tage. Kommt es nicht zur Einnistung, bildet er sich zurück, Progesteron und Östradiol fallen ab, die Schleimhaut wird abgestoßen und die Blutung beginnt. Nistet sich ein Embryo ein, hält das Schwangerschaftshormon hCG den Gelbkörper am Laufen, bis die Plazenta die Hormonbildung übernimmt. Der hohe Progesteronspiegel in der zweiten Zyklushälfte bremst zugleich die Hypophyse, sodass keine weiteren Follikel heranreifen.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Männer< 0,15ng/ml (µg/l)
Frauen, Follikelphase (erste Zyklushälfte)< 1 (meist deutlich niedriger)ng/ml (µg/l)
Frauen, Lutealphase (nach dem Eisprung)deutlich erhöht, ein Mehrfaches der Follikelphaseng/ml (µg/l)
Frauen, Postmenopause< 1ng/ml (µg/l)
Schwangerschaft, 1. Trimester11,2 – 90ng/ml (µg/l)
Schwangerschaft, 2. Trimester25,6 – 89,4ng/ml (µg/l)
Schwangerschaft, 3. Trimesterab etwa 48, bis mehrere Hundertng/ml (µg/l)

Methode & Variabilität: Männer: Elektrochemilumineszenz-Immunoassay (ECLIA), Serum; Methodenabhängig; andere oder ältere Immunoassays nennen für Männer Obergrenzen um 1,2 ng/ml. · Frauen, Follikelphase (erste Zyklushälfte): Immunoassay, Serum; Obergrenze methodenabhängig; nur ein Bruchteil der Lutealwerte. · Frauen, Lutealphase (nach dem Eisprung): Immunoassay, Serum; Absolute Grenzen je Verfahren sehr unterschiedlich; der Abstand zum Eisprung entscheidet. · Frauen, Postmenopause: Immunoassay, Serum; Neuere ECLIA-Verfahren setzen die Grenze noch tiefer an. · Schwangerschaft, 1. Trimester: Chemilumineszenz-Immunoassay, Serum; Breite Streuung; andere Tabellen nennen engere Bereiche (etwa 10 – 50 ng/ml). Ein Einzelwert ist nicht zur Beurteilung der Schwangerschaft geeignet. · Schwangerschaft, 2. Trimester: Chemilumineszenz-Immunoassay, Serum; Laborabhängig; steigt mit der Schwangerschaftsdauer weiter. · Schwangerschaft, 3. Trimester: Chemilumineszenz-Immunoassay, Serum; Unter- und Obergrenze je Quelle und Methode verschieden; andere Tabellen beginnen erst bei etwa 130 ng/ml. Ein Einzelwert ist nicht zur Beurteilung der Schwangerschaft geeignet.

Quellen zu diesen Werten: siehe Abschnitt Quellen. Labore verwenden teils abweichende Bereiche; maßgeblich ist Ihr Befund.

Was kann ein erhöhter Progesteron im Blut-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Schwangerschaft ist die häufigste und ganz normale Ursache eines hohen Progesteronwerts. Schon in den ersten Wochen liegt der Spiegel über dem der zweiten Zyklushälfte und steigt bis zur Geburt weiter.
  • Die Blutabnahme fiel in die zweite Zyklushälfte. Ein Wert, der für die Follikelphase hoch wirkt, ist nach dem Eisprung erwartbar und gilt dann als Zeichen, dass ein Eisprung stattgefunden hat.
  • Progesteronhaltige Medikamente oder eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke erhöhen den Messwert. Das Labor kann nicht unterscheiden, ob das Hormon aus dem Körper oder aus einem Präparat stammt.
  • Seltener stecken ein länger bestehender Gelbkörper, hormonbildende Tumoren des Eierstocks oder der Nebenniere oder ein adrenogenitales Syndrom dahinter; in der Schwangerschaft auch eine Blasenmole.

Typische Symptome

  • Ein hoher Progesteronwert macht für sich meist keine Beschwerden.
  • In der zweiten Zyklushälfte sind Brustspannen und eine leicht erhöhte Körpertemperatur normal.
  • Bei Nebennierenursachen können Zyklusstörungen und vermehrte Körperbehaarung auffallen.

Abklärung

Zuerst wird geklärt, wann im Zyklus das Blut abgenommen wurde und ob eine Schwangerschaft oder eine Hormoneinnahme besteht. Ein hoher Wert in der Lutealphase braucht in der Regel keine weitere Abklärung. Bleibt der Wert ohne diese Erklärungen erhöht, werden Östradiol, LH, FSH und Prolaktin bestimmt, bei Verdacht auf eine Nebennierenursache weitere Hormone; bildgebend wird nach Zysten oder Tumoren gesucht. In der Schwangerschaft wird Progesteron nur zusammen mit hCG und Ultraschall beurteilt. Plötzliche starke Unterbauchschmerzen, Kreislaufschwäche oder eine starke vaginale Blutung sind Warnzeichen: Notruf 144 oder 112.

Was kann ein niedriger Progesteron im Blut-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Die Blutabnahme lag in der Follikelphase. Vor dem Eisprung ist Progesteron bei jeder Frau niedrig; der Wert ist dann unauffällig, nicht krankhaft.
  • Ein ausgebliebener Eisprung (Anovulation), etwa bei unregelmäßigem Zyklus, polyzystischem Ovarsyndrom oder Essstörung, lässt den Lutealanstieg aus. Auch eine Gelbkörperschwäche senkt die Werte der zweiten Zyklushälfte.
  • Störungen in der Hormonachse, zum Beispiel ein erhöhtes Prolaktin, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder eine Erkrankung des Hypothalamus oder der Hypophyse, können die Progesteronbildung indirekt senken.
  • Nach den Wechseljahren ist Progesteron dauerhaft niedrig, weil kein Gelbkörper mehr entsteht. Das ist der erwartete Zustand, kein Mangel im Krankheitssinn.
  • Eine vorzeitig nachlassende Eierstockfunktion (primäre Ovarialinsuffizienz) oder eine gestörte Steuerung durch die Hypophyse (sekundäre Ovarialinsuffizienz) sind seltene Ursachen.

Typische Symptome

  • Ausbleibende oder unregelmäßige Regelblutungen.
  • Zwischenblutungen oder eine verkürzte zweite Zyklushälfte.
  • Unerfüllter Kinderwunsch trotz regelmäßigem Zyklus.
  • Oft gar keine Beschwerden.

Abklärung

Entscheidend ist der Zyklustag. Ein niedriger Wert in der ersten Zyklushälfte ist normal. Soll ein Eisprung bestätigt werden, wird in der Mitte der zweiten Zyklushälfte gemessen, einige Tage vor der erwarteten Blutung; weil das Hormon stoßweise freigesetzt wird, erhöht eine Wiederholung die Aussagekraft. Ergänzend werden Östradiol, LH, FSH, Prolaktin und TSH bestimmt. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, gehört in ärztliche Hand und wird nie aus einem Einzelwert entschieden. In der Frühschwangerschaft ist ein niedriger Wert für sich kein Beweis für ein Problem. Starke Unterbauchschmerzen mit Blutung oder Kreislaufschwäche: Notruf 144 oder 112.

Verlauf unter Therapie

Progesteron folgt dem Zyklus, nicht dem Kalender. In der Follikelphase bleibt der Spiegel tief, steigt mit dem Eisprung an, erreicht in der Mitte der Lutealphase seinen Gipfel und fällt mit dem Rückgang des Gelbkörpers nach etwa 14 Tagen wieder ab, sofern keine Schwangerschaft eintritt. Zwei Werte aus verschiedenen Zyklusphasen sind deshalb nicht vergleichbar. Soll ein Eisprung nachgewiesen werden, wird in der Mitte der zweiten Zyklushälfte gemessen; bei unregelmäßigem Zyklus helfen Ultraschall oder LH-Tests, den Tag zu finden. Ein Einzelwert schwankt; eine Wiederholung im nächsten Zyklus sagt oft mehr. In der Schwangerschaft steigt Progesteron über die Trimester an; ein Einzelwert dient dort nicht als Prognosemarker. Nach den Wechseljahren bleibt der Spiegel ohne Schwankung niedrig.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

Die wichtigste Angabe ist der Zyklustag, am besten als Datum des ersten Tags der letzten Regelblutung. Ohne sie kann das Labor den Wert nicht einordnen. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Weil der Gelbkörper das Hormon stoßweise abgibt, schwanken Einzelwerte besonders in der mittleren Lutealphase; eine Wiederholung sagt oft mehr als ein Einzelwert. Gestagenhaltige Präparate, hormonelle Verhütungsmittel und Medikamente zur Stimulation der Eierstöcke verändern den Wert; sie sollten auf dem Anforderungsschein stehen. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab. Bei einigen Messverfahren können hochdosierte Biotin-Präparate (Nahrungsergänzung für Haut und Haare) die Messung stören; sprechen Sie eine solche Einnahme vorher an. Ergebnisse unterschiedlicher Labore sind wegen abweichender Kalibrierung nur eingeschränkt vergleichbar; Verlaufskontrollen gelingen am besten im selben Labor.

Progesteron im Blut: Konstellation mit weiteren Blutwerten

Progesteron wird im Verbund gelesen. Ein hoher Wert in der zweiten Zyklushälfte zusammen mit einem vorausgegangenen LH-Gipfel und einem im Ultraschall sichtbaren Gelbkörper bestätigt den Eisprung. Bleibt Progesteron in der zweiten Zyklushälfte niedrig, rückt die Frage nach einer Anovulation in den Vordergrund: Dann helfen FSH, LH und Östradiol zu Zyklusbeginn sowie Prolaktin und TSH, die Ursache in der Hormonachse zu suchen. In der frühen Schwangerschaft wird Progesteron zusammen mit dem hCG-Verlauf und dem Ultraschall betrachtet; keiner dieser Werte entscheidet allein. Bei Zyklusstörungen mit Zeichen eines Androgenüberschusses kommen Testosteron, SHBG und DHEAS dazu. Bei Männern hat Progesteron im Alltag kaum Bedeutung; ein auffälliger Wert wird mit Testosteron und den Nebennierenhormonen eingeordnet.

  • oestradiol — Östradiol baut in der ersten Zyklushälfte die Schleimhaut auf; zusammen mit Progesteron zeigt es, in welcher Phase der Zyklus steht.
  • lh-wert — Der LH-Gipfel löst den Eisprung aus und steuert den Gelbkörper; LH hilft, den richtigen Abnahmetag zu finden.
  • fsh-wert — FSH zu Zyklusbeginn ordnet die Eierstockfunktion ein, besonders bei Anovulation und in der Perimenopause.
  • prolaktin — Ein erhöhtes Prolaktin kann den Eisprung unterdrücken und so niedrige Lutealwerte erklären.
  • beta-hcg — hCG hält in der Frühschwangerschaft den Gelbkörper aufrecht; beide Werte werden dort gemeinsam gelesen.
  • tsh-wert — Schilddrüsenfunktionsstörungen stören den Zyklus und gehören zur Abklärung niedriger Progesteronwerte.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu Progesteron im Blut

Wann im Zyklus sollte Progesteron gemessen werden?

Zum Nachweis eines Eisprungs in der Mitte der zweiten Zyklushälfte, einige Tage vor der erwarteten Regelblutung. In der ersten Zyklushälfte ist der Wert bei jeder Frau niedrig.

Was bedeutet ein niedriger Progesteronwert?

Das hängt vom Zyklustag ab. Vor dem Eisprung und nach den Wechseljahren ist er normal niedrig. In der zweiten Zyklushälfte kann er auf einen ausgebliebenen Eisprung oder eine Gelbkörperschwäche hinweisen; sicher wird das erst mit Wiederholung.

Zeigt der Progesteronwert, ob die Schwangerschaft intakt ist?

Nein, ein Einzelwert kann das nicht. Die Spannweite normaler Werte ist in der Schwangerschaft sehr groß. Beurteilt wird zusammen mit dem hCG-Verlauf und dem Ultraschall.

Warum ist der Normalbereich in meinem Befund anders als im Internet?

Die Messverfahren der Hersteller sind unterschiedlich kalibriert, dazu kommen zwei Einheiten (ng/ml und nmol/l, Faktor 3,18). Vergleichen Sie Ihren Wert nur mit dem Bereich auf Ihrem Befund.

Kann die Pille den Progesteronwert verändern?

Ja. Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel unterdrücken den Eisprung, reine Gestagenpräparate tun das nur zum Teil; ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper und damit kein eigener Lutealanstieg. Geben Sie die Einnahme an, damit der Befund richtig eingeordnet wird.

Quellen

  1. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at) (2023): Progesteron (PROG) – Laborwerte-Tabelle. https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/hormone-tumormarker/progesteron-prog1-kh.html
  2. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie (2024): Leistungsverzeichnis Progesteron FB-PÄ 6 PROG OE (Revision 004, 17.05.2024). https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/default/09_Sonstige/Klinische-Chemie/Seiteninhalte/Seiteninhalte_P/Progesteron_FB-PAE_6_PROG_OE.pdf
  3. Universitätsklinikum Münster, Centrum für Laboratoriumsmedizin (2026): Referenzbereiche des Zentrallabors, Stand 2026-04. https://web.ukm.de/fileadmin/ukminternet/daten/kliniken/zlabor/ukm-zlabor-referenzbereiche-202604.pdf
  4. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (2025): Serum progesterone – Medical Encyclopedia. https://medlineplus.gov/ency/article/003714.htm
  5. Viollier AG, Medizinisches Labor (2026): Progesteron – Analyse 26090, Referenzwerte. https://www.viollier.ch/de/analysis/26090
  6. DocCheck Flexikon (2026): Progesteron. https://flexikon.doccheck.com/de/Progesteron
  7. MSD Manual Consumer Version (2025): Menstrual Cycle – Biology of the Female Reproductive System. https://www.msdmanuals.com/home/women-s-health-issues/biology-of-the-female-reproductive-system/menstrual-cycle
  8. Regenstrief Institute (LOINC) (2026): LOINC 2839-9 Progesterone [Mass/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/2839-9