Was ist LH-Wert?
LH bedeutet luteinisierendes Hormon, auch Lutropin. Es wird im Hypophysenvorderlappen gebildet und gehört zusammen mit FSH zu den Gonadotropinen. Bei Frauen löst ein steiler LH-Anstieg in der Zyklusmitte den Eisprung aus und unterstützt danach die Gelbkörperfunktion. Bei Männern stimuliert LH die Leydig-Zellen im Hoden zur Testosteronproduktion. Kurz: Eisprung- und Testosteron-Signal. Nicht Zielhormon. Hohe LH-Werte entstehen oft, wenn Eierstock oder Hoden schwächer antworten und die Hypophyse stärker antreibt. Niedrige LH-Werte entstehen eher, wenn Hypothalamus oder Hypophyse gebremst sind oder exogene Sexualhormone die Achse unterdrücken. Im Gegensatz zu Östradiol oder Testosteron zeigt LH das Steuerungssignal von oben. Im Unterschied zu FSH ist LH stärker mit Ovulation und Leydig-Zell-Funktion verbunden.
Bedeutung im Stoffwechsel
LH ist Teil der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. GnRH aus dem Hypothalamus wird pulsatil ausgeschüttet und stimuliert die Hypophyse zur Freisetzung von LH und FSH. Bei Frauen steigt Östradiol in der späten Follikelphase stark an; bei ausreichend hohem und anhaltendem Östradiol kippt die Rückkopplung positiv und löst den LH-Peak aus. Dieser Peak führt zur Ovulation. Nach der Ovulation unterstützt LH den Gelbkörper, der Progesteron bildet. Bei Männern stimuliert LH die Leydig-Zellen; Testosteron bremst die Achse über negative Rückkopplung. LH ist pulsativ, daher können Einzelwerte schwanken. LOINC 10501-5 beschreibt Lutropin als Einheitenkonzentration in Serum oder Plasma.
Referenzbereich
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Frauen, frühe Follikelphase, orientierend | ca. 2-12 | IU/l |
| Frauen, Ovulationsphase / LH-Peak, orientierend | ca. 15-80 | IU/l |
| Frauen, Lutealphase, orientierend | ca. 1-14 | IU/l |
| Postmenopause, orientierend | häufig > 15-25 | IU/l |
| Männer, Erwachsene, orientierend | ca. 1-9 | IU/l |
| LOINC-Messgröße | Lutropin [Units/volume] in Serum or Plasma | IU/l, U/l oder mIU/ml |
Methode & Variabilität: Frauen, frühe Follikelphase, orientierend: Serum-LH, meist Immunoassay; Zyklustag, Alter, Assay, Hormonmedikation und Pulsatilität beeinflussen den Wert · Frauen, Ovulationsphase / LH-Peak, orientierend: Serum-LH oder Urin-LH im Ovulationsmonitoring; Peak ist kurz; Zeitpunkt der Abnahme entscheidet stark · Frauen, Lutealphase, orientierend: Serum-LH mit Progesteron je nach Frage; Eisprungzeitpunkt, Gelbkörperphase und Assay beeinflussen · Postmenopause, orientierend: Serum-LH plus FSH, Östradiol und Blutungsmuster; Hormontherapie, Perimenopause und Assay können Werte verschieben · Männer, Erwachsene, orientierend: Serum-LH plus morgendliches Testosteron; Alter, Testosteronstatus, Medikamente, Anabolika, Assay und Pulsatilität beeinflussen · LOINC-Messgröße: LOINC 10501-5, Serum oder Plasma; Einheit, Assay und Referenzbereich des Labors prüfen
Was kann ein erhöhter LH-Wert-Wert bedeuten?
Häufige Ursachen
- Der physiologische LH-Peak in der Zyklusmitte ist bei Frauen ein normaler Grund für hohe LH-Werte. Er zeigt die Ovulationsnähe, wenn Östradiol vorher ausreichend gestiegen ist.
- Menopause, Perimenopause und primäre Ovarialinsuffizienz erhöhen LH, weil die ovarielle Rückkopplung durch Östradiol, Progesteron und Inhibine abnimmt.
- Primärer Hypogonadismus bei Männern erhöht LH, wenn die Hoden zu wenig Testosteron bilden. Ursachen sind Klinefelter-Syndrom, Orchitis, Hodenverletzung, Chemo-/Strahlentherapie oder schwere Hodenschädigung.
- PCOS kann mit relativ erhöhtem LH oder erhöhtem LH/FSH-Verhältnis einhergehen. Dieses Muster ist aber nicht diagnostisch beweisend und wird heute nicht allein zur PCOS-Diagnose verwendet.
Typische Symptome
- Mittelschmerz, Zervixschleimveränderung oder positiver Ovulationstest beim normalen LH-Peak
- Unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen
- Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Schlafstörungen bei Östrogenmangel
- Bei Männern Libidoverlust, Erektionsprobleme oder Müdigkeit bei niedrigem Testosteron
- Akne, Hirsutismus oder Zyklusstörungen bei PCOS- oder Hyperandrogenismus-Spur
Abklärung
Erhöhtes LH wird zuerst nach Geschlecht, Alter und Zeitpunkt sortiert. Bei Frauen sind Zyklustag, FSH, Östradiol, Progesteron, Schwangerschaftstest, Prolaktin, TSH und bei Kinderwunsch Ultraschall wichtig. LH hoch plus FSH hoch und Östradiol niedrig spricht für Menopause oder primäre Ovarialinsuffizienz. Bei Männern spricht LH hoch plus Testosteron niedrig für primären Hypogonadismus; FSH, Hodenvolumen, Spermiogramm und Anamnese zu Infekten, Chemo, Trauma oder Anabolika ergänzen.
Was kann ein niedriger LH-Wert-Wert bedeuten?
Häufige Ursachen
- Hypothalamische Suppression kann LH senken, etwa bei Untergewicht, Essstörung, intensiver sportlicher Belastung, Stress, chronischer Erkrankung oder funktioneller hypothalamischer Amenorrhö.
- Hypophysen- oder Hypothalamuserkrankungen können LH und FSH unangemessen niedrig halten. Dazu gehören Hypophysenadenome, Operation, Bestrahlung, Infiltration, Hämochromatose oder Schädel-Hirn-Trauma.
- Hyperprolaktinämie, Opioide, Glukokortikoide, GnRH-Analoga, hormonelle Kontrazeption, Testosterontherapie oder Anabolika können LH unterdrücken.
Typische Symptome
- Ausbleibende Regelblutung oder sehr lange Zyklen
- Ausbleibender Eisprung oder unerfüllter Kinderwunsch
- Niedrige Libido oder vaginale Trockenheit bei niedrigem Östradiol
- Bei Männern Libidoverlust, Erektionsprobleme, Infertilität oder niedriges Testosteron
- Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfälle oder Milchfluss bei Hypophysen-/Prolaktin-Spur
Abklärung
Niedriges LH wird mit FSH und Zielhormonen gelesen. Niedriges LH plus niedriges Östradiol spricht bei Frauen eher für zentrale oder funktionelle Achsensuppression. Niedriges LH plus niedriges Testosteron spricht bei Männern für sekundären Hypogonadismus oder funktionelle Achsenbremse. Prolaktin, TSH, fT4, Medikamente, Gewicht, Energieverfügbarkeit, Schlaf, Trainingslast, chronische Erkrankungen und bei Verdacht Hypophysenbildgebung gehören zur Abklärung.
Verlauf unter Therapie
LH ist pulsatil und kann deutlich schwanken. Bei Frauen ist der Verlauf im Zyklus entscheidend: In der frühen Follikelphase ist LH eher niedrig bis moderat, kurz vor dem Eisprung steigt es steil an und fällt danach wieder. Ein einzelner Wert kann den Peak verpassen. Urin-LH-Tests erkennen den Anstieg oft praktisch für das Ovulationsfenster, ersetzen aber nicht jede Fertilitätsdiagnostik. In der Perimenopause können LH und FSH springen. Nach der Menopause bleiben beide meist erhöht. Bei Männern ist LH weniger zyklisch, aber ebenfalls pulsatil. Unter Testosterontherapie oder Anabolika fällt LH oft stark ab; nach Absetzen kann die Achse verzögert zurückkehren. Ein LH von 0,3 IU/l bei niedrigem Testosteron ist anders zu lesen als derselbe LH-Wert unter laufender Testosterontherapie.
Präanalytik: was den Wert beeinflusst
LH wird aus Serum oder Plasma bestimmt. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Bei Frauen müssen Zyklustag, Blutungsstatus, Schwangerschaft, Stillzeit, Perimenopause, hormonelle Kontrazeption, Hormontherapie, GnRH-Analoga und Kinderwunschbehandlung dokumentiert werden. Bei Ovulationsfragen ist der Zeitpunkt zur vermuteten Zyklusmitte entscheidend, weil der LH-Peak kurz ist. Bei Männern sollten Testosteronwerte morgens zwischen 7 und 11 Uhr bestimmt werden; LH wird am besten zeitnah mit Testosteron, SHBG und FSH gemessen. Biotin kann manche Immunoassays stören. Akute Erkrankung, Schlafmangel, Gewichtsveränderung, intensive Trainingsphasen und Medikamente können die Achse verschieben. Verlaufskontrollen möglichst mit gleichem Labor und gleicher Methode.
LH-Wert: Konstellation mit weiteren Blutwerten
LH zeigt die Steuerung der Gonadenachse. LH-Peak plus vorangegangener Östradiolanstieg spricht für Ovulationsnähe; Progesteron in der Lutealphase bestätigt später, ob ein Eisprung stattgefunden hat. LH hoch plus FSH hoch und Östradiol niedrig spricht für Menopause oder primäre Ovarialinsuffizienz. LH niedrig-normal plus Östradiol niedrig spricht eher für hypothalamische oder hypophysäre Suppression. Bei Männern spricht LH hoch plus Testosteron niedrig für primären Hypogonadismus. LH niedrig oder unangemessen normal plus Testosteron niedrig spricht für sekundären oder funktionellen Hypogonadismus. Prolaktin kann LH und FSH bremsen. TSH hilft, Zyklusstörungen oder Libidoveränderungen von Schilddrüsenursachen zu trennen. SHBG entscheidet, ob Gesamt-Testosteron frei verfügbar wirkt.
- fsh-wert — FSH ergänzt LH als zweite Gonadotropin-Achse und ist stärker mit Follikelreifung und Spermatogenese verbunden.
- oestradiol — Östradiol löst bei ausreichendem Anstieg den LH-Peak aus und zeigt die ovarielle Antwort.
- testosteron — Testosteron ist bei Männern das Zielhormon der LH-stimulierten Leydig-Zellen.
- freies-testosteron — Freies Testosteron zeigt die verfügbare Androgenwirkung, besonders bei verändertem SHBG.
- prolaktin — Erhöhtes Prolaktin kann GnRH und dadurch LH/FSH unterdrücken.
- shbg — SHBG bestimmt den frei verfügbaren Anteil des Testosterons und damit die Bewertung der LH-Testosteron-Achse.
Wichtiger Einordnungshinweis
Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.
Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?
Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.
Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert
Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.
Zur vollständigen Blutbefund-EinordnungHäufige Fragen zu LH-Wert
Quellen
- Thomas L (Hrsg.) (2020): Labor und Diagnose, 9. Auflage — Endokrinologie / Sexualhormone. ISBN 978-3-9805645-7-8 · Kapitel Endokrinologie / Sexualhormone.
- Gesundheitsportal Österreich (BMSGPK) (2024): Hormone / Laborwerte Hormonsystem. https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/hormone/inhalt.html
- Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Lutropin [Units/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/10501-5
- Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Follitropin [Units/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/15067-2
- Regenstrief Institute (LOINC) (2026): Testosterone [Mass/volume] in Serum or Plasma. https://loinc.org/2986-8
- Bhasin S, Brito JP, Cunningham GR, Hayes FJ, Hodis HN, Matsumoto AM, Snyder PJ, Swerdloff RS, Wu FC, Yialamas MA (2018): Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. DOI 10.1210/jc.2018-00229 · PMID 29562364. https://doi.org/10.1210/jc.2018-00229