Was bedeutet ein niedriger Natriumwert?
Das österreichische Gesundheitsportal nennt für Natrium im Blut orientierend 135–145 mmol/l; je nach Labor weichen die Grenzen etwas ab, maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors. Werte unter 135 mmol/l gelten als Hyponatriämie. Natrium bestimmt, wie viele gelöste Teilchen im Blut sind, und damit, wohin Wasser zwischen Blut und Zellen wandert. Sinkt es, strömt Wasser in die Zellen und sie schwellen an. Für das Gehirn ist das heikel, weil im Schädel wenig Platz ist.
Wie stark ist das Natrium erniedrigt?
Die europäische Leitlinie unterscheidet nach der Höhe: 130–134 mmol/l gelten als leichte, 125–129 mmol/l als mittelgradige und Werte unter 125 mmol/l als ausgeprägte Hyponatriämie. Mindestens so wichtig ist das Tempo. Ist das Natrium innerhalb von weniger als 48 Stunden gefallen, hatte das Gehirn keine Zeit, sich anzupassen, und schon mäßig niedrige Werte können gefährlich sein. Bei langsam entstandenen Formen hat sich das Gehirn angepasst, Beschwerden fallen dann oft milder aus.
Welche Ursachen stecken hinter niedrigem Natrium?
Häufig sind Medikamente, vor allem entwässernde Thiaziddiuretika, außerdem Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und das Antiepileptikum Carbamazepin. Beim SIADH, dem Syndrom der unangemessenen ADH-Ausschüttung, hält ein Hormon zu viel Wasser zurück, etwa bei Lungenentzündung, Erkrankungen des Gehirns, Schmerzen oder Übelkeit. Auch Herzschwäche, Leberzirrhose, eine Nierenerkrankung mit hohem Eiweißverlust, Erbrechen, Durchfall, starkes Schwitzen, sehr große Trinkmengen und seltener Hormonstörungen von Nebenniere oder Schilddrüse kommen infrage.
Was ist nach einem niedrigen Natriumwert zu tun?
Die Ärztin oder der Arzt prüft zuerst, ob das Blut wirklich verdünnt ist. Dazu dienen Blutzucker, Blutfette und Eiweiß sowie die Osmolalität, die Teilchenkonzentration im Blut. Danach folgen meist Osmolalität und Natrium im Urin sowie Nieren-, Nebennieren- und Schilddrüsenwerte. Bringen Sie eine vollständige Medikamentenliste mit. Ändern Sie Trinkmenge, Salzzufuhr oder Medikamente nicht auf eigene Faust. Bei Erbrechen, Verwirrtheit oder einem Krampfanfall ist sofort Hilfe nötig.
Scheinbar niedrig: Blutzucker, Blutfette und Eiweiß
Nicht jedes niedrige Natrium bedeutet einen echten Wasserüberschuss. Bei sehr hohen Blutfetten oder stark erhöhten Eiweißen, etwa beim multiplen Myelom, einer Erkrankung bestimmter Blutzellen, misst die übliche Methode im Zentrallabor falsch niedrig. Sie arbeitet mit verdünnten Proben, und ein Teil des Probenvolumens besteht dann nicht aus Wasser. Fachleute sprechen von Pseudohyponatriämie, einem Messartefakt. Geräte, die unverdünnt messen, etwa Blutgasanalysatoren, sind davon nicht betroffen.
Anders ist es bei stark erhöhtem Blutzucker. Zucker zieht Wasser aus den Zellen ins Blut und verdünnt das Natrium tatsächlich. Sinkt der Blutzucker, steigt das Natrium wieder. Deshalb wird bei einem niedrigen Natrium immer auch der Blutzucker angesehen, bevor nach anderen Ursachen gesucht wird. Wird Blut im Krankenhaus abgenommen, darf das nicht aus einem Arm mit laufender Infusion geschehen, weil die Lösung den Wert stark verfälschen kann.
Häufige und seltene Ursachen
Eine der häufigsten Ursachen ist das SIADH. Dabei schüttet der Körper zu viel antidiuretisches Hormon (ADH) aus, das die Niere Wasser zurückhalten lässt. Auslöser sind unter anderem Lungenentzündungen, bestimmte Tumoren, Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns, Schmerzen, Übelkeit und Narkosen. Auch Medikamente können ein SIADH auslösen, darunter SSRI-Antidepressiva, Carbamazepin und bestimmte Krebsmedikamente.
Thiaziddiuretika gehören besonders bei älteren Menschen zu den häufigsten Auslösern. Bei Herzschwäche, Leberzirrhose und nephrotischem Syndrom, einer Nierenerkrankung mit hohem Eiweißverlust, nimmt der Körper trotz Wassereinlagerungen einen Volumenmangel wahr und hält Wasser zurück. Gehen durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen Wasser und Salz verloren und wird nur Wasser nachgetrunken, sinkt das Natrium ebenfalls.
Bei Ausdauerbelastungen wie einem Marathon kann übermäßiges Trinken eine belastungsbedingte Hyponatriämie auslösen. Seltener sind eine Unterfunktion der Nebennieren oder eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion. Auch sehr große Trinkmengen bei gleichzeitig sehr salz- und eiweißarmer Kost, etwa bei fast ausschließlichem Biertrinken, können das Natrium senken.
Begleitwerte: was bei der Einordnung hilft
Nach dem Ausschluss scheinbar niedriger Werte geht es um die Frage, warum der Körper Wasser zurückhält. Die Osmolalität des Urins zeigt, ob die Niere verdünnten oder konzentrierten Harn bildet. Ist der Harn sehr verdünnt, spricht das für eine große Trinkmenge bei geringer Zufuhr von Salz und Eiweiß. Ein konzentrierter Harn zeigt, dass ADH wirkt.
Das Natrium im Urin hilft weiter. Ist es niedrig, hält die Niere Natrium fest, weil sie ein zu geringes Kreislaufvolumen wahrnimmt, etwa bei Flüssigkeitsverlusten, Herzschwäche oder Leberzirrhose. Ein höheres Urinnatrium passt eher zu Diuretika, Nierenerkrankungen, einer Unterfunktion der Nebenniere oder einem SIADH. Bevor ein SIADH festgestellt wird, müssen Nebenniere und Schilddrüse als Ursache ausgeschlossen sein. Je nach Verdacht werden außerdem Nieren-, Leber- und Herzfunktion untersucht.
Beschwerden: von Gangunsicherheit bis Krampfanfall
Eine leichte, langsam entstandene Hyponatriämie verursacht oft keine deutlichen Beschwerden, manchmal nur Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber häufig Gangunsicherheit, Aufmerksamkeitsstörungen und vermehrte Stürze, besonders bei älteren Menschen.
Bei stärkerer oder rascher Absenkung schwillt das Gehirn an. Die europäische Leitlinie ordnet Übelkeit ohne Erbrechen, Verwirrtheit und Kopfschmerzen als mittelschwere Beschwerden ein. Als schwer gelten Erbrechen, Atem- oder Kreislaufprobleme, ungewöhnlich tiefe Schläfrigkeit, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Hinzu kommen können Muskelkrämpfe, Schwäche und Teilnahmslosigkeit.
Verlauf: warum das Tempo zählt
Bei Natrium ist die Geschwindigkeit der Veränderung oft wichtiger als die Zahl selbst. Entsteht eine Hyponatriämie innerhalb von weniger als 48 Stunden, bleibt dem Gehirn keine Zeit zur Anpassung. Bei langsam über Tage oder Wochen entstandener Hyponatriämie haben sich die Gehirnzellen angepasst. Dann liegt das Risiko eher in einer zu raschen Korrektur.
Steigt das Natrium bei einer länger bestehenden Hyponatriämie zu schnell, kann eine schwere Schädigung des Gehirns entstehen, die osmotische Demyelinisierung. Deshalb gehört der Ausgleich einer länger bestehenden Hyponatriämie in ärztliche Hand: Er erfolgt bewusst langsam, und das Natrium wird in dieser Phase engmaschig kontrolliert, meist im Krankenhaus. Wird ein auslösendes Medikament abgesetzt oder die Ursache behandelt, normalisiert sich der Wert oft innerhalb von Tagen; bei Herzschwäche oder Zirrhose kann ein leicht erniedrigtes Natrium auch dauerhaft bestehen.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein niedriges Natrium mit Erbrechen, starker Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfall oder Bewusstseinsstörung ist ein Notfall; dann ist der Notruf richtig. Das gilt besonders, wenn der Wert rasch gefallen ist, etwa nach sehr großen Trinkmengen oder einer Ausdauerbelastung, oder wenn er unter 125 mmol/l liegt. Auch neu aufgetretene Kopfschmerzen und Übelkeit bei bekanntem niedrigem Natrium sollten rasch ärztlich beurteilt werden.
Leicht erniedrigte Werte ohne Beschwerden besprechen Sie zeitnah mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, vor allem wenn Sie Diuretika, Antidepressiva oder Antiepileptika einnehmen oder bereits gestürzt sind. Versuchen Sie nicht, den Wert selbst mit viel Salz oder einer drastischen Änderung der Trinkmenge zu korrigieren, und setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab.
Häufige Fragen
Ist ein Natriumwert von 133 mmol/l gefährlich?
Ein Wert von 133 mmol/l liegt im Bereich der leichten Hyponatriämie. Ist er langsam entstanden, verursacht er oft keine akuten Beschwerden. Bei älteren Menschen kann aber schon eine leichte Hyponatriämie Gangunsicherheit und Stürze begünstigen. Zudem kann sie auf Medikamentenwirkungen, hormonelle Ursachen oder Organerkrankungen hinweisen. Deshalb sollte die Ursache ärztlich geklärt werden.
Hilft mehr Salz bei niedrigem Natrium?
Nicht ohne ärztliche Abklärung. Die meisten Hyponatriämien entstehen durch zu viel Wasser im Verhältnis zum Natrium, nicht durch Salzmangel. Je nach Ursache bringt zusätzliches Salz deshalb wenig oder ist sogar ungünstig, etwa bei Herzschwäche oder Leberzirrhose mit Wassereinlagerungen. Was im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach der Ursache.
Welche Medikamente können Natrium senken?
Häufige Auslöser sind entwässernde Thiaziddiuretika, Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und die Antiepileptika Carbamazepin und Oxcarbazepin. Auch bestimmte Krebsmedikamente und weitere Wirkstoffe können über eine vermehrte ADH-Wirkung Wasser im Körper zurückhalten. Ein Medikament sollte nur nach ärztlicher Rücksprache abgesetzt oder umgestellt werden. Bringen Sie zur Besprechung eine vollständige Liste aller Mittel mit.
Warum kann Natrium beim Ausdauersport sinken?
Wer bei langen Belastungen wie einem Marathon mehr Wasser oder natriumarme Getränke trinkt, als über Schweiß und Harn verloren geht, verdünnt das Natrium im Blut. Zusätzlich kann die Belastung die ADH-Ausschüttung steigern. Fachleute sprechen von belastungsbedingter Hyponatriämie. Übelkeit, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit nach einem Wettkampf sind dann ein Warnzeichen und ein Notfall.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Natrium (NA)
- MSD Manual (Fachkreise): Hyponatriämie
- DocCheck Flexikon: Hyponatriämie
- Spasovski et al. 2014: Europäische Leitlinie zur Hyponatriämie (Eur J Endocrinol, Verlagsseite)
- MedlinePlus: Low blood sodium
Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
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